27 Nov 2008

Wenn Hartz IV zum Umzug zwingt

20081012_rathaus_goch_dsc00001_450.jpg Nun hat sich leider ein kleines Teilchen der seinerzeit skeptischen Argumente zum Gocher Rathausneubau bewahrheitet: Der Platz reicht nicht aus! Somit müssen Teile der Verwaltung aus dem Hauptgebäude ausgegliedert werden.

Betroffen von diesem Umzug ist die für Hartz IV zuständige Abteilung, die in das alte Polizeigebäude Markt 15 ausweichen muss.

RP-Redakteur Thomas Claaßen fragte nach:

Wieso ist das neue Rathaus schon wieder zu klein?

Diese Frage ist durchaus berechtigt, obwohl man natürlich nicht “auf Vorrat” planen konnte. Was soll denn auch Gochs Pressesprecher Torsten Matenaers anderes sagen als

Alternative wäre gewesen, bei der Planung des Rathauses ,Luft’ vorzusehen, also für zusätzliches Geld zusätzlichen Raum zu schaffen, der erst mal gar nicht benötigt wird.

Er soll hier etwas beantworten, was nicht in “seine” Zeit fällt. Trotzdem müsste er wissen, dass – bei aller damaligen Kritiken – dieses Kriterium dann auch aufgeführt wurde als der Neubau letztlich mit der schwarzen Mehrheit durchgeboxt wurde: Dann sollte der Platz aber auch großzügig genug bemessen werden, um nicht schon in absehbarer Zeit entsprechende Probleme zu bekommen.

Angesichts einer wachsenden Stadt war dieses Argument eigentlich nur logisch.

In die Finanzierungspläne wurden damals neben den “Synergie-Effekten”, also der Bündelung aller Dienststellen im neuen Rathaus, auch die mit dem neuen Rathaus eingesparten Kosten (plus Verkaufserlöse) für die Gebäude an der Mühlenstraße und – ahäm :k : – Markt 15 in die Waagschale geworfen.

Einer der Dauerabnicker von CDU-Beschlüssen, der das Projekt damals maßgeblich mit durchgeboxt hat, sagt nun dazu:

Wir mussten sehen, wo wir das für Hartz-IV notwendige Personal unterbringen. Nötig ist dafür eine Lösung, die den Betroffenen weite Wege erspart, sprich, möglichst in der Nähe des Rathauses gelegen ist.

Gut, es geht nun nicht anders, das sehe ich auch so. Die Frage muss aber erlaubt sein, warum erst kürzlich die KulTOURBühne Goch aus Markt 15 ins neue Rathaus ziehen musste. Auch raus müssen andere Mieter. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln – so sieht die Planerei aus!

Das falscheste, was man jedoch jetzt machen kann, ist die Ansiedlung einer solch sensiblen Verwaltung in Sachen Hartz IV am Markt 15. Wollen wir doch mal bitte nicht vergessen, dass es hier quasi um die ehemals unter der Vokabel “Sozialamt” laufende Verwaltungseinheit geht. Damals wie heute macht es ganz sicherlich keinen Betroffenen Spaß, diesen Weg gehen zu müssen. Also sollte dieses Amt auch über den hinteren Eingang des neuen Rathauses, einem Nebeneingang am Wassergarten quasi, erreichbar sein.

Und jetzt? Die Hartz-IV-Empfänger werden sich freuen… Ich hoffe, dass mit dem Umzug der Hartz-IV-Behörde auch die Kamera über den Gocher Marktplatz deinstalliert wird. In diesem Fall ist es nämlich aus mit der Anonymität derselben, die durchaus erkennen lässt, wer da so läuft. Andererseits gibt es auch hier die Möglichkeit, über den Hintereingang ins Gebäude zu gelangen, muss ich ehrlicher Weise hinzufügen.

Um das abschließend festzuhalten: Ich kritisiere nicht generell, dass das Rathaus zu klein geplant wurde. Wohl aber konnte man damit rechnen, denn es war verdammt knapp kalkuliert worden und durchaus schon abzusehen, dass es räumlich nicht langen würde (wo bleibt denn z. B. die gedachte Caféteria mit Nutzung des Innenhofes usw. ?)… Aber ich denke sehr wohl, dass man nicht ausgerechnet diese – wie gesagt nicht gerade unsensible – Behörde nunmehr aus der doch vorhandenen Anonymität im “großen” Rathaus ausgliedert und stattdessen exklusiv am Markt “präsentiert”.

Markt 15 ist groß genug, um anderen Verwaltungsbereichen ausreichend Platz zu bieten. Der Bürgermeister beweist jedenfalls, dass er seine eigene “Verwaltungsreform” nicht kann.

Zum Abschluss

Spontan ging mir das Wort “Hammelsprung” durch den Kopf, als ich von den neuerlichen Umzugsbewegungsplänen erfuhr. Thomas Claaßen wollte das Ganze ja schon mit den Schildbürgern in Verbindung bringen, aber auch das stimmt so natürlich nicht. Es hat eher etwas “Lorioteskes”. Denn Vico von Bülow hat ja schon vor Jahren einen Film vom Ganzen gedreht :g: :


Link: Loriot im Konzert

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Kategorie » Goch,Staat und Gesellschaft «

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2 Kommentare

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    Dirk

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    29 Nov 2008

    Das ist ja wirklich mal wieder Volksver… ähm, naja, die Leute für dumm verkaufen wollen. Da hätte man doch nun ernsthaft mal sagen können, wir planen mindestens ein wenig mehr Platz ein, und auch darin, gerade die Hartz IV Abteilung auszugliedern, stimme ich voll zu. Es ist traurig, dass unsere Stadtväter es dann immer wieder schaffen, sich aus dem Ganzen rauszuwinden.

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  2. gravatar

    Nobbi

    via Website

    29 Nov 2008

    Och, Dirk, ich könnte ja mal die “alte” Homepage der Bürgerinitiative gegen den Rathausneubau wiederbeleben :n: … Auch “nette” Zitate vom damaligen Bürgermeister habe ich natürlich noch im Petto.

    Und dessen Nachfolger hatten die Gocher Grünen im letzten Wahlkampf karikiert. Werden die sicherlich nicht mehr verwenden.

    Aber alles sowas habe ich mir damals schon gedacht ;-) . Kommt schon noch alles wieder, keine Sorge.

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