16 Jul 2005

Damals, in Dresden – Abenteuer Straßenbahn

DDR-Flagge 1988 waren wir zum letzten Mal in der DDR. Wir konnten es nicht wissen, aber gebrodelt hatte es ja schon länger. Aber so, wie sich die Sache nur etwas über ein Jahr später abspielen sollte, nein, daran konnte niemand ernsthaft glauben. Sicher wusste ich, dass meine Leute in Dresden schon immer die Schnau*e voll bis oben hin hatten. Ich wusste auch, dass die Proteste nicht erst in Leipzig losgingen – eine Legende, die so nicht stimmt. Denn schon Anfang der Achtziger gab es in Dresden erste Demonstrationen an der Kreuzkirche auf dem Altmarkt. Warum ich das weiß? Na, weil ich jemanden kenne, dem dann hinterher auf der Bautzener Straße (Stasiquartier in Dresden) oder Schießgasse (Sitz der VoPo) per Videobeweis die Teilnahme bescheinigt wurde. Gefilmt aus der Kirche…

Aber ich möchte ja über eine Straßenbahnepisode aus dem Juli 1988 berichten.

Fahrkarte der Dresdner Verkehrsbetriebe

6 Fahrten 1 Mark!

Die Straßenbahn und Dresden gehörten vor allem in meinen Kindheitstagen immer zusammen. Sehr gut kann ich mich noch an die Holzbänke erinnern, an die dunklen Haltestellen, an denen wir warten mussten bei unserer Besuchstour, die – da wir damals noch nicht mit dem Auto in die DDR durften – immer per Straßenbahn absolviert werden musste. Vor allem war es für mich immer das Höchste, wenigstens ein Mal mit der “1″ zu fahren. Eine Linie, die wir jedoch eigentlich nie brauchten. Aber das war der sogenannte “Hecht”. Der war schon damals für mich Kult! Ach, das ist alles ein Thema für sich, denn ich habe ja 1988 drübergeschrieben.

Es hatte sich im Laufe der Jahre natürlich auch im Dresdner Straßenbahnbetrieb einiges getan. Die beigen Straßenbahnen wurden durch die tcheschischen ersetzt. Nach und nach natürlich. Diese waren zwar luxoriöser, aber auch bedeutend schwerer als die alten Bahnen. Dafür waren aber die Schienensysteme nicht ausgelegt, der Untergrund zu weich. Die Folge war, dass mit der Zeit die Schienen stellenweise bis zu zwei handbreit unter der Straßenoberfläche (in der Regel Kopfsteinpflaster oder Platten) lagen.

Mal davon abgesehen, dass mir aufgrund der herausgesprungenen Bahnen am Postplatz ohnehin der Spaß am Straßenbahnfahren in Dresden vergangen war und man teilweise zu Fuß schneller war als mit der Bahn (weil die streckenbedingt ganz einfach nicht schneller konnte/durfte), war das der Materialbeschaffenheit der Bahnen natürlich auch nicht gerade zuträglich.

Aber wir mussten auch mal zwangsläufig mit der Bahn fahren. Vom Bahnhof nach Striesen. Musste mit der Bahn sein, weil wir feiern wollten, die Autos also stehen bleiben sollten. Es fing, in der Bahn sitzend, schon damit an, dass wir von Kontrolleuren “betreut” wurden. Noch nie gesehen in Dresdens Bahnen, aber ausgerechnet jetzt kamen welche.

Der Kontrolleur war aber einfach nur unhöflich, schnöselig und schlicht doof, denn er bekam es nicht auf die Reihe, sieben verteilt sitzende Fahrgäste zusammenzubekommen.

Straßenbahnstau in Dresden 1988

Unsere einzige Straßenbahnfahrt sollte aber noch wirklich abenteuerlich werden. Erst gab es am Großen Garten einen Stau, der sich aber auflöste. Es ging bald weiter. Prima, dachten wir – und Moni hat den Kaffee schon fertig… Kaum den Gedanken ausgedacht, ging nix mehr! Da standen wir nun.

Straßenbahnfahrt zu Fuß fortgesetzt

Alles raus, hieß es, nichts ging mehr. Na toll! Wir mussten uns also auch der allgemeinen Völkerwanderung anschließen und den Rest des Weges zu Fuß absolvieren. Ich war ziemlich dem Platzen nah, während meine Eltern sich dumme Sprüche nicht verkneifen und somit zur Auflockerung der Situation beitragen konnten.

Wir waren die dritte oder vierte Bahn, und wie es hinter der Kurve da hinten aussah, ähm… wahrscheinlich standen dort auch noch diverse Bahnen. Wir gingen also an der Bahnschlange vorbei nach vorne (das lag auf unserem Weg, aber mir war die Lust zum Foto wohl vergangen, damals ging das noch nicht digital). Da wussten wir zumindest, welche Bahn dieses Chaos verursacht hatte: Eine Dienstfahrt :-) .

Aber, wie man sieht: Völlig ohne Werbung!

Heute empfehle ich jedem:
1. Dresden besuchen
2. Unbedingt Straßenbahn fahren!!!!! Am besten die Stadtrundfahrt.

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Kategorie » Die DDR und ich «

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3 Kommentare

  1. gravatar

    Anne-Kathrin Pretzsch

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    13 Apr 2007

    Huhu! :) Hab heute ganz begeistert die alten Fahrkarten aus Dresden gesehen. Kann vielleicht auch jemand ein Bild von so einer alten Karte aus Leipzig zeigen? Wäre total klasse! :)

    Danke!

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  2. gravatar

    Nobbi

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    15 Apr 2007

    Da kann ich leider nicht mit dienen, aber vielleicht hilft dieser Link ja weiter :wink_wp:

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  3. gravatar

    Anne-Kathrin Pretzsch

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    20 Mai 2007

    Hui, dankeschön! :)

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